Wir werden Teil der Geschichte

05. April 2018 • Sonstiges Musiktheater / Operngesang • erstellt von Julia Schinke

Seit ein paar Tagen probiert das Team von "Artaserse" im Markgräflichen Opernhaus, bevor es am 12. April wiedereröffnet wird. Zwar wurde das Theater über mehrere Jahre von Grund auf renoviert. Dass es damals hoch herging, kann man allerdings noch heute spüren. Wie sich die Markgräfin Wilhelmine im 18. Jahrhundert gefühlt haben muss und wie wir nun Teil der Geschichte werden, kann man in unserem Blog nachlesen.

Wie damals die Markgräfin Wilhelmine: Kathrin Zukowski und Eric Ander in der Fürstenloge.

„Abends war Maskenball. Nach dem Souper dauerte das Fest bis etwa ein Uhr nachts. Am nächsten Tag war Kaffee und abends Ball ohne Maskentracht, vorgestern Kaffee und Maskenball, gestern großes Glücksspiel, heute Kaffee und abends wieder Maskenball.“
– aus einem Brief von Friedrich II. an seine Schwester Wilhelmine

Italienische Opern, französisches Schauspiel, Feuerwerk und riesige Festtafeln mit Blick auf die Bühne – der Prunk dieser vergangenen Zeit ist im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth auch heute noch spürbar. Nach mehreren Probenwochen im Münchner Cuvilliéstheater ist das gesamte Artaserse-Team nach Bayreuth umgezogen: Techniker, Sänger, Kostüm- und Maskenbildner, Regieteam und Musiker arbeiten nun im Markgräflichen Opernhaus auf die Premiere am 12. April hin. Nach gemeinsamem Frühstück galt es, die Bühne des 270 Jahre alten Opernhauses zu erobern. Das große Staunen über den prunkvollen Zuschauerraum stellt sich nicht nur bei denen ein, die zum ersten Mal hier sind. Auch, wer schon einmal zwischen den bemalten Holzsäulen stand, kann sich dem Bann dieses historischen Baus nicht entziehen. Jeder Winkel ist mit goldenen Schnörkeln verziert, mit gemalten Blumengirlanden, Engeln und gedrechselten Vorhangquasten geschmückt. Was wie eine wilde Mischung einzelner Rokoko-Elemente klingt, fügt sich zu einem perfekten Bild höfischer Repräsentation des 18. Jahrhunderts zusammen. Auch unsere Sänger sind beeindruckt von den Spuren der Zeit und der einmaligen Atmosphäre im Raum. Sie legen die Hände auf die Balustrade der Fürstenloge, wo 1748 Wilhelmine und ihr Mann Markgraf Friedrich die Aufführung von Artaserse sahen und schnell wird deutlich: Dieser Ort ist lebendig durch seine Geschichte. 

Auch in Balázs Kovaliks Inszenierung wird eine Beziehung zwischen 18. Jahrhundert und heute hergestellt.

Der Bau des Markgräflichen Opernhauses war ein Herzensprojekt der Markgräfin, die hoffte, mit dem unverhältnismäßig großen Bau ein glanzvolles kulturelles Leben in Bayreuth aufzubauen.

„Dieser Tage habe ich das neue Opernhaus besichtigt. Ich war sehr erfreut darüber, das Innere ist fast vollendet. Bibiena hat in diesem Theater die Quintessenz italienischen und französischen Stils vereinigt. Man muss zugeben: in seinem Fach ist er ein Meister.“


Mit der Ernennung zum Weltkulturerbe begann vor circa sechs Jahren eine aufwändige Restaurierung des Zuschauer- und Bühnenraums. Die Sanierung hat aber die Spuren der zahlreichen Zuschauer nicht überdeckt: Zwischen den in alter frische erstrahlenden Farben sehen wir die abgewetzten Holzpfeiler, wo die Besucher sich drängten, um mehr von der Bühne sehen zu können und haben das Gefühl, der Geschichte ganz nahe zu sein. Diese Energie hebt die Proben auf ein neues Level. Auf einmal ist unsere Verknüpfung von Wilhelmines Lebens- und Leidensgeschichte mit der Opernhandlung ganz nah, denn auch wir werden an diesem einmaligen Ort Teil der Geschichte und führen sie auf der Bühne fort.

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