Lemminge im Foyer

22. Oktober 2015 • Dramaturgie • erstellt von Anna Gojer und Katharina Nay

Wir sitzen im Bus. Hinter uns liegen zweieinhalb aufregende Tage in Basel. Zwei Lemminge sind als Vorhut losgezogen, um den Abgrund auszukundschaften, in den sich das Rudel am 13.11.2015 stürzen wird.

Ausgestattet mit einem Aufnahmegerät, dem dazugehörigen Tontechniker und einer großen Portion Vorfreude finden wir uns am Montag um 11:00 Uhr im Foyer des Theater Basel wieder.

Groß ist es hier. Riesig. Eine große Treppe teilt den Raum in zwei Ebenen. Auf der unteren stehen sechs Stuhlgruppen und ein schwarzer Kasten, der ein wenig an die Counter erinnert, die einen wesentlichen Teil unserer Performance im Akademiestudio ausgemacht haben. Umgeben von einer Gruppe staunender Techniker thront ein 4 Meter hoher Ikosaeder in der Mitte des Raumes. 30 massive Holzbalken treffen sich an 12 ledernen Knotenpunkten. Der technische Leiter, ein freundlicher Schweizer in legerer Kleidung, begrüßt uns mit einem herzlichen Handschlag und teilt uns stolz mit, dass neun seiner Mitarbeiter heute 1,5 Stunden gebraucht haben, um den platonischen Körper aufzubauen. Wir gucken uns an. Während der Performance hat die siebenköpfige Lemmingmeute eine knappe Viertelstunde Zeit für den Aufbau. Die Lösung des Problems wird warten müssen, denn schon fordern die Leiter der einzelnen Gewerke unsere Aufmerksamkeit. Während wir die Besetzungssituation erläutern, meldet sich einer der Techniker zu Wort und erzählt freudestrahlend, dass dieser Raum vor zwölf Jahren schon einmal als Flughafen bespielt wurde. Wir fragen uns, ob das gut oder schlecht ist, als nach einem Beschriftungssystem für den Ikosaeder verlangt wird. Wenn das Objekt später einmal leuchten soll, muss jeder Stange eine feste Position zugeordnet werden. Ist eine Stange bei unserem Aufbau am falschen Platz, findet die anschließende Lecture Performance im Dunkeln statt. Wir kratzen uns den fellbewachsenen Lemmingkopf. Schnell greifen wir nach Edding und Pinsel und markieren 30 Holzstangen. Puh, geschafft. Ein weiteres unbekanntes Gesicht taucht auf und erkundigt sich, ob es hier richtig sei. Pfötchen schüttelt Hand und gemeinsam begeben wir uns in einen ruhigen Raum mit Ausblick auf die Stadt. Martin Klöti beantwortet uns Fragen zur Bewegung Neustart Schweiz und verrät uns, wie das gute Leben aussieht. Es folgen Florian Buchwalder in seiner Funktion als Präsident von uniterre und Tilla Künzli von der Plattform BaselWandel. Unterbrochen werden wir regelmäßig von Kirchenglocken und Punkmusik von der Probebühne nebenan.

Es hängt viel Arbeit an einem Gastspiel und dessen Vorbereitung. Unser Format macht es erforderlich und gleichzeitig möglich, die formale Setzung mit variierenden Inhalten zu füllen. Das birgt die Chance zur Auseinandersetzung mit und die Anpassung an die Gegebenheiten des Spielorts.

 

Voller neuer Eindrücke und Informationen für die Lemmingfamilie in München kehren wir mit dem Deutsche Bahn Bus zurück. Wir freuen uns auf die Vorstellung am 13.11.2015!

Kommentare