L'Ancêtre Fund V: Auf Entdeckungsreise mit Eva-Maria Höckmayr

08. März 2019 • Sonstiges Musiktheater / Operngesang Dramaturgie • erstellt von Julia Schinke und Raffaela Grimm

Passend zum heutigen Weltfrauentag begeben wir uns mit der Regisseurin Eva-Maria Höckmayr auf Entdeckungsreise. Denn noch sind Frauen in kreativen Führungspositionen wie Regisseurin, Intendantin oder Dirigentin in der Unterzahl. Umso besonderer ist da unsere Produktion: Das Kreativteam ist mit Eva-Maria Höckmayr (Regie und Bühne), Julia Rösler (Kostüm), Julia Schinke (Dramaturgie) und Lili König (Regieassistenz) auffällig weiblich und auch die Oper selbst beinhaltet starke weibliche Charaktere. Im Interview spricht Eva-Maria Höckmayr über die Frauenrollen in „L’Ancêtre“ und ihre Arbeit an der Theaterakademie.

Eva-Maria Höckmayr © Martin Baumgartner

Eva-Maria Höckmayr studierte Theaterwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Philosophie an der LMU München sowie Sprech- und Musiktheaterregie an der Theaterakademie August Everding. 2010 erhielt sie den Götz-Friedrich-Preis und den NRW-Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler für die Inszenierung von Debussys Pelléas et Mélisande am Theater Aachen. Sie inszenierte zentrale Werke des Repertoires, u.a. Der Freischütz und Tosca am Staatstheater Darmstadt, Lucia di Lammermoor an der Oper Köln, Die Entführung aus dem Serail an der Oper Graz, Madama Butterfly und Un ballo in maschera am DNT Weimar, Pique Dame und Tannhäuser am Theater Freiburg oder La traviata am Theater Heidelberg. An der Staatsoper Berlin erarbeitete sie mit René Jacobs Telemanns Emma und Eginhard und setzte zuletzt zur Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden Monteverdis L’Incoronazione di Poppea unter der musikalischen Leitung von Diego Fasolis in Szene. Als Gastdozentin wirkt sie an der UdK Berlin und im Masterstudiengang Musiktheater/Operngesang der Theaterakademie August Everding.

Frau Höckmayr, als Regisseurin haben Sie bereits an vielen großen Häusern gearbeitet. Ihr beruflicher Werdegang hat seine Wurzeln jedoch hier an der Theaterakademie August Everding. Wie ist es hierher zurückzukehren?

Für mich ist die Rückkehr nach über zehn Jahren wie eine Reise in die Vergangenheit, eine Begegnung mit dem früheren Selbst. So sehr sich die Akademie in den letzten Jahren verändert und weiterentwickelt hat, so sehr erinnert man sich an die Atmosphäre und die Räumlichkeiten. Manche Gerüche, manche Bilder lassen Momente aus dem Studium aufleben, an die man schon lange nicht mehr zurückgedacht hat – das hat mich wirklich überrascht.


L’Ancêtre ist ein Stück, das kaum jemand kennt, je gehört oder gesehen hat. Wie ist es mit einer solchen Ausgrabung zu arbeiten?

Ich muss ganz ehrlich gestehen: Ich bin eigentlich kein Freund von Überraschungen. Aber in diesem Fall finde ich sie unheimlich reizvoll. Es ist wirklich wie eine Entdeckungsreise. Egal, wie gut man Noten lesen kann und wie viel man sich versucht vorzustellen, das Klangbild wird für mich immer noch eine Überraschung sein, bis wir das erste Mal mit dem Orchester proben.


Mit Nunciata, Vanina und Margarita treffen in dieser Oper drei weibliche Hauptakteure aufeinander. Wie agieren sie miteinander und was macht sie aus?

Die Oper erzählt von einem Generationenkonflikt – das Alter steht in tragischer Spannung zur Jugend. Die Großmutter Nunciata hat zwei Enkelinnen, die leibliche Vanina und die nicht-leibliche Enkelin Margarita. Nunciata und Vanina sind Janus-köpfig angelegt. Wenn Nunciata besonders unerbittlich ist, scheint Vanina besonders zerbrechlich. Dreht sich das Kraftfeld in einer Figur, passt sich die Andere an. Die andere Achse bilden Vanina und ihre Milchschwester Margarita, die zwillingshaft verwachsen sind. Inhaltlich und auch musikalisch zeigt sich, wie unterschiedlich zwei gleichaltrige, junge Mädchen sein können. Im Kontrast zu Nunciatas verbissenem Willen zu Blutrache und Tod wird der Wille der Mädchen zu überleben deutlich. Auch wenn man dafür das familiäre Band durchschneiden muss, wie Margarita es tut. Vanina ist zu diesem Schritt nicht fähig: Sie bleibt Nunicata und der Familie verpflichtet. Vaninas Weg führt dabei zur Selbstzerstörung, wohingegen Nunciata überlebt.

Das Interview führte Julia Schinke. In voller Länge findet Ihr das Gespräch im Programmheft zu L’Ancêtre. Es ist an allen Vorstellungsabenden an der Garderobe erhältlich oder vorab online.

Live auf der Bühne könnt ihr Nunciata, Vanina und Margarita ab dem 20. März 2019 erleben. Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

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