Burn Bright

23. Februar 2018 • Maskenbild - Theater und Film • erstellt von Steffen Roßmanith

Von 02. bis 11. März stellen die Masterabsolventen aus dem Studiengang Maskenbild - Theater und Film ihre Abschlussarbeiten in einer Ausstellung im Akademietheater vor. Zu sehen sind viele unterschiedliche Ansätze, denn jeder der vier durfte sich ohne Vorgaben sein eigenes Thema überlegen. In unserem Blog erzählen sie schon jetzt von ihren Projekten. Den Anfang macht heute Steffen Roßmanith, der sich in seiner Arbeit "Burn bright" mit der Bildung von Ikonen beschäftigt hat.

Der Superstar des 18. Jahrhunderts: In Anlehnung an Wolfgang Amadeus Mozart knüpft Steffen Roßmanith eine Perücke.
Foto: © Florian Schaumberger

Making of...

Das platinblonde Haar wild gelockt, die Lippen kirschrot, die Haltung sexy und verführerisch: Dieses Bild kennt und liebt die Welt vom Hollywoodstar Marilyn Monroe. Aber es ist eine in den Filmstudios entwickelte Maske. Mit der echten Marilyn hat sie nur wenig gemeinsam. Doch es ist dieses Kunstprodukt, das mich interessiert und das ich in meiner Videohommage an die Unsterblichkeit zitiere. Als Spiel mit der Illusion, mit der Maske.

Star, Diva, Ikone - es gibt viele Bezeichnungen für jene scheinbar Unsterblichen. Doch was genau macht diese Menschen eigentlich aus, die durch Fernsehen, Zeitung und Internet zu unseren ständigen Begleitern werden und vordergründig so faszinierend glänzend erscheinen? Worin besteht ihr Charisma? Sind sie die Nachfolger der klassischen Helden, wollen sie wie jene hoch hinaus und stürzen am Ende tief? Ist ihr Ruhm auch ihr Verhängnis?

In dem Stück Don’t Worry Be Yoncé der niederländischen Regisseurin Stephanie van Batum versuchten wir in kollektiver Arbeit diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Der popkulturelle Mythos um die Sängerin Beyoncé wurde dabei dekonstruiert, um ihn einer breiten - teils unwissenden - Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so dass am Ende des Abends jeder Zuschauer die einzelnen Bausteine kannte und selbst in die Rolle einer Diva eintauchen konnte.

Freddie Mercury, The Great Pretender
Foto: © Florian Schaumberger

Appropriation Art

Inspiriert von dieser Arbeit beschloss ich, mich in meiner Masterarbeit mit dieser Form von Appropriation Art auseinanderzusetzen. Mich reizt das Hineinschlüpfen in eine neue Rolle, einen anderen Charakter, in einen umjubelten Star – ich strebe die bewusst inszenierte und entsprechend reflektierte Kopie an, eine Travestie. Als Medium dient mein Körper, den ich in unterschiedliche Ausdrucksformen bringe. Ähnlich wie Cindy Sherman möchte ich mit Zitaten der jeweiligen Figuren arbeiten. Aber ich zeige sie in Situationen, die es so in der Realität nicht gegeben hat.

Dabei versuche ich, Antworten auf folgende Fragen zu finden: wie viel dieser Personen steckt bereits in mir? Was verbindet mich mit ihnen? Wie weit muss die Illusion getrieben werden, damit erkannt wird, wen ich darstelle? Welche Elemente sind unabdingbar, um eine Ikone glaubhaft verkörpern zu können? Kann man über maskenbildnerische, gestische und mimische Mittel eine Figur erzählen? Kann ich mit meiner Selbstinszenierung und meiner Körperlichkeit dem Image solcher Idole gerecht werden? Zusammen mit dem Videokünstler Florian Schaumberger nähere ich mich diesen Fragen in audiovisueller Form an.

Die Beschäftigung mit dem Thema der Verwandlung forderte mich nicht nur als Maskenbildner künstlerisch heraus, sie erwies sich auch als persönlicher Gewinn. Sich selbst mit einer Maske zu verhüllen, die Möglichkeit, hinter Schichten aus Make-up Persönliches zu verbergen, erlebte ich als einen Akt der Befreiung. Die Verwandlung, die sich mit der Maskierung eines Menschen vollzieht, spüre ich auch immer wieder bei meiner Arbeit. Mit der Glättung der Gesichtszüge, mit einer neuen Haut oder mit neuen Falten, durch eine breitere oder längere Nase oder ausgeprägte Wangenknochen entsteht nicht nur ein verändertes Gesicht. Es entwickelt sich Schritt für Schritt eine zweite Persönlichkeit. Diese Transformation ist für mich der Ursprung der Maske überhaupt.

Trotz ihrer tragischen Geschichte ein Idol: Amy Winehouse
Foto: © Florian Schaumberger

Aber was zeichnet Idole, Ikonen und Diven aus?

Zu Stars werden Menschen, die betont im Licht der Öffentlichkeit stehen und deren Leben als beneidenswert und glänzend dargestellt wird. Meist sind es Schauspieler und Sänger, Künstler allgemein, aber auch erfolgreiche Sportler. Ihre Fans sind bedingungslos bereit, sie zu idealisieren. Eine erhebliche Rolle dabei spielen die Massenmedien: Sie schaffen oft genug diese Idole durch sehr bewusste Inszenierung. Sie befeuern und verstärken unseren Blick auf sie. Doch bereits im 18. Jahrhundert kannte man den Geniekult, also lange vor den Zeiten des Internets und der sozialen Medien. Schon immer galt, und gilt auch heute, die große Wirkung dieser Menschen: Man kopiert sie, sie sind für viele identitätsstiftend, dienen oft als Vorbilder und Projektionen, ihr positives Image ist praktisch nicht zu zerstören. Im Gegenteil: Eine Entgleisung fördert oftmals sogar noch ihre Beliebtheit. Die Faszination dieser Idole endet auch keinesfalls mit ihrem Tod. Für ihre Verehrer gelten sie vielmehr als Symbole der Zeitgeschichte.

Die Schattenseiten dieses Lebens im Blick der Öffentlichkeit bleiben unbeachtet. Viele zerbrechen an ihrer Berühmtheit, enden jämmerlich und einsam durch Drogen, Alkohol oder Selbstmord.

Die vermutlich schlechteste Opernsängerin der Welt und dennoch Kult: Florence Foster Jenkins.
Foto: © Florian Schaumberger

Nach eingehender Recherche entschied ich mich für folgende sechs Musiker: Wolfgang Amadeus Mozart, Florence Foster Jenkins, Marilyn Monroe, Freddie Mercury, Kurt Cobain und Amy Winehouse. 


„Stars […] burn bright, [before they] burn out.“

Diesem Zitat kann ich nicht zustimmen. Denn auch nach ihrem Tod haben unsere Idole nichts an ihrer Strahlkraft und Faszination verloren. Meine Recherchen haben mich den Figuren näher gebracht, überrascht und mein bisheriges, teils unvollständiges, teils einseitiges Bild über sie geändert. Bei der künstlerischen Umsetzung fällt mir auf, dass die Darstellung der ausgewählten Figuren durchaus unterschiedlich schwierig ist. oft reicht eine Geste, ein Blick oder eine noch unfrisierte Perücke aus, um eine Illusion entstehen zu lassen. Die Unsterblichkeit von Ikonen, Diven und Stars ist ein Thema, das mich bei meinen weiteren Arbeiten als Maskenbildner wohl immer in der ein oder anderen Form begleiten wird.

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