Berlin, Berlin: 30. Schauspielschultreffen mit dem vierten Jahrgang Schauspiel

12. Juli 2019 • Schauspiel

30 Jahre Schauspielschultreffen, 30 Jahre fairer Wettbewerb, 30 Jahre künstlerischer Austausch aufstrebender Jungschauspieler*innen - das muss gefeiert werden! Und zwar in Berlin. Unser vierter Jahrgang Schauspiel war mit der Produktion "Die rote Republik" dabei.

Zum 30. Theatertreffen Deutschsprachiger Schauspielstudierender waren dieses Jahr 19 staatliche Hochschulen eingeladen, die Beiträge mit je 60-minütiger Spieldauer zeigen durften. Gastgeber war die HfS Ernst Busch, die ihre Gäste in ihren neuen Gebäuden sowie im Deutschen Theater Berlin herzlichst empfing.

Nach einem turbulenten UWE-Wochenende ging es für unseren Jahrgang und dem Rote Republik-Team am Sonntag mit dem ICE von München in die Hauptstadt. Kaum am Hauptbahnhof angekommen, sah man schon die erste Persönlichkeit über die Straße laufen: Ben Becker. Was ein Auftakt für eine inspirierende Woche! Im Hostel wurden wir von den Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst in Empfang genommen, mit Programm und Merch versorgt und konnten uns endlich ins heiß ersehnte GodSpot W-LAN einloggen. So viel Zeit blieb dann auch gar nicht und wir wurden schon ins Deutsche Theater zur Auftaktveranstaltung geleitet. Im Vorhof angekommen, sah man bereits wie die ersten Leute freudig aufeinander stürzten und sich gegenseitig in die Arme fielen. Drei Jahre Schauspielstudium später – und auf einmal sieht man sie alle wieder!

Um 19 Uhr eröffneten fünf Frauen von der Ernst Busch mit ihrer Eigenarbeit pretty when you cry das Schauspielschultreffen, und zugleich auch einen Diskurs über Sexismus, Feminismus und Machtmissbrauch am Theater und im Studium. Chorisch arbeiteten sie Frauenfiguren wie Emilia Galotti, Julia, und ihresgleichen auf und zeigten deren passive und schwache Handlungsbreite in der Literatur. Sie scheuten auch keine Konfrontation mit lebenden Dramatikern und Dozierenden, indem sie diese ebenfalls zitierten, ohne jemanden dabei persönlich anzugreifen oder „Zeigefinger-Theater“ zu spielen. Die Standing Ovations waren daher keine Überraschung. Am nächsten Morgen um 10 Uhr fanden die Nachgespräche zu den gesehenen Stücken statt. Diese wurden von Dramaturgiestudentinnen der HfS angeleitet und waren von Anfang bis Ende sehr respektvoll und kollegial. Es wurde weniger über Geschmack diskutiert, sondern vielmehr über prägnante Themen, die sich durch die etwaigen Produktionen aufzeigten. So gab es zum Beispiel Gespräche über Sexismus, Machtgefüge innerhalb einer Produktion (zum Beispiel: Regie und Schauspieler*in), Rassismus und vieles mehr. Wie geht man damit um? Wie haftbar ist man als Schauspieler*in am Ende für das Stück? Wie kann ein Ensemble am besten mit der Regie kommunizieren? Was tun, wenn gegen Wände geredet wird? Nachmittags gab es dann Workshops, Treffen des Jungen Ensemble-Netzwerks und ein Off-Programm, in dem  man Monologe, Szenen oder Sonstiges präsentieren konnte. „Die Buschler“ bemühten sich sehr, uns rundum zufrieden zu stellen und versorgten uns mit Programm, gutem Essen, guter Laune und vor allem einer super guten Organisation.

Am Donnerstag war dann der Tag. Ab 11:30 Uhr versammelte sich das ganze Die rote Republik-Team am Deutschen Theater. Wir hatten drei Stunden Zeit, um Ton, Video, Bühne und uns einzurichten. Dank der tollen Unterstützung unserer Techniker lief alles rund und reibungslos und wir konnten uns entspannt in den Nachmittag begeben. Um 21 Uhr wurde dann das Bühnenbild für die Vorstellung aufgebaut und wir wanderten durch die ewigen Geheimkorridore des Deutschen Theaters, um uns auf der Probebühne einzusprechen. Der Weg durch das Labyrinth ging fast ohne Verluste über die Bühne … Aber auch das letzte Schaf fand schließlich seine Herde. Nach einem energetischen Einsprechen war es dann endlich so weit: Wir standen auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin. Trotz der späten Stunde und eventuellem Bierkonsum war das Publikum sehr aufmerksam und applaudierfreudig. Nach einer aufregenden und schönen Vorstellung konnte dann auch umso besser gefeiert werden.

Am Samstag war leider schon der letzte Tag einer wunderbaren Woche. Nach den letzten zwei Stücken (Max-Reinhardt Seminar und Hannover) war es Zeit für die Preisverleihung. Dr. Margarete Schuler von der HfS und Prof. Marion Hirte (Geschäftsführerin der Europäischen Theaterakademie GmbH „Konrad Ekhof“ Hamburg) eröffneten die Feier mit Gruß- und Dankesworten. Die Jury, bestehend aus Bettina Hoppe, Christoph Franken, Nurkan Erpulat, Ruth Reinecke und Anika Steinhoff, beschloss keine Einzelpreise, sondern nur Ensemblepreise zu vergeben, was das gesamte Treffen sehr gut beschreibt. Denn insgesamt zeichnete sich das diesjährige Treffen besonders durch einen Ensemblegedanken und Teamwork aus. Konkurrenz und Missgunst wurden von Kollegialität, ernsthaftem Interesse aneinander und an der „Sache“ verdrängt.

Wir hatten eine unvergessliche und inspirierende Zeit mit anregenden Gesprächen und Stücken, prickelnden Bekanntschaften und 38 Grad im Schatten.
Vielen Dank, Berlin!

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