Opéra de-ci de-là oder: Aufgeschoben statt aufgehoben

07/27/2020 • Dramaturgie • created by Paulina Platzer

Wie so manch' anderes für das Studienjahr 2019/2020 geplante internationale Projekt, musste auch der Workshop „Opéra de-ci de-là“ im Rahmen von enoa wegen der Covid-19-Pandemie ausfallen. Unsere Dramaturgie-Studentin Paulina Platzer berichtet von dem schlussendlich per Zoom gestarteten interdisziplinären Projekt. Alle teilnehmenden jungen Künstler*innen werden sich hoffentlich in der nächsten Spielzeit dann live und in Farbe für die weitere Zusammenarbeit und vor allem für die praktische Umsetzung der konzipierten Musiktheater-Projekte in Aix-en-Provence treffen.

© Jean-Claude Carbonne

Kofferpacken, abheben, Abenteuer los. So oder so ähnlich hätte es kommen können, wäre dem nicht in letzter Sekunde Corona in die Quere gekommen. In einem dreitägigen Workshop unter der Leitung von Anthony Heidweiller hätten wir uns bereits im März in Aix-en-Provence zur Vorbereitung getroffen, um in einem zweiten Teil von „Opéra de-ci de-là“ im Rahmen des Festivals d´Aix-en-Provence vom 15. bis 20. Juni 2020 eine partizipative Oper zu realisieren.

Doch alles kam anders. Flüge wurden gestrichen, Grenzen geschlossen, weltweite Ausgangssperren traten in Kraft. Es wäre mehr als nachvollziehbar gewesen, den „Opéra de-ci de-là“-Workshop unter diesen Bedingungen einfach abzusagen. Stattdessen arbeitete das Organisationsteam im Hochbetrieb an einer Lösung. Das Ergebnis war zunächst ein zweitägiger virtueller Workshop. Für die Konzeption der Opern wurden wir in fünfköpfige Gruppen eingeteilt. In jeder Gruppe war ein*e Regisseur*in, zwei Sänger*innen, ein*e Komponist*in und ein*e Musiker*in vertreten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde folgte eine interessante Keynote von Regisseurin und Wissenschaftlerin Frédérique Aït-Touati zum scheinbar oppositionellen Verhältnis von Wissenschaft und Kunst.

Aus dem Gespräch mit Aït-Touati ergab sich unsere erste Aufgabe. In Anlehnung an den Naturphilosophen und Astronomen Johannes Kepler sollte jede Gruppe vier persönliche Kapitel bestimmen, auf denen die Harmonie der Welt aufbauen könnte. In einem sehr inspirierenden Gespräch erarbeiteten wir unsere eigenen Kapitel und lernten uns besser kennen. Wir profitierten dabei vor allem von den kulturellen Unterschieden zwischen Iran, Norwegen, Deutschland und Frankreich, die in unserer Gruppe aufgrund der Herkunft der jeweiligen Mitglieder präsent waren. Im Anschluss präsentierte jede Gruppe ihre Ideen. Dann war die Zeit auch schon wieder um.

Was bleibt, ist Euphorie und Vorfreude auf alles, was im Rahmen von „Opéra de-ci de-là“ nach diesem spannenden Auftakt noch kommen mag. Gruppenintern beschlossen wir, den virtuellen Workshop als Startschuss für eine langfristige Zusammenarbeit zu begreifen und bis zum geplanten Präsenzworkshop im nächsten Jahr an unserer Oper weiterzuarbeiten. Für die Konzeption haben wir uns dabei zwei Dinge vorgenommen: Offenheit und Spontaneität. Denn wie eine partizipative Oper im Sommer 2021 tatsächlich aussehen kann, bleibt wohl noch lange ungeklärt.

Kommentare